Ausfahrt nach Hohenhain
Geschrieben von: Alf
Sonntag, 16. August 2009, 08:30 Uhr: auf geht’s nach Hohenhain. Andreas hatte mir die Google-Koordinaten der Tauchbasis zu gemailt. Und Rolf lotst mich per Telefon das letzte Stück durch den Wald an den Strand. Abgelegener kann eine Tauchschule wohl kaum liegen, denke ich…
Zu meiner Überraschung sind einige TUKken bereits vor Ort und wollen sich nützlich machen. So geschehe es… Wir tragen die Ausrüstung aus den Autos zum Strand und wuchten anschließend den Trailer mitsamt Boot zur Waterkant. Nina leiht mir ihr rosa (!) Schlappen, damit die Steine im Wasser meine Füße nicht aufschlitzen. Gemeinsam mit Stefan ziehe ich - spärlich bekleidet mit einer Badehose - das Boot vom Trailer ins kalte Wasser. Morgens, halb zehn in Deutschland…
Jetzt ein Kaffee. Die Basis Tauchparadies Schwedeneck hat welchen aufgebrüht – das tut gut. Gegen 10:00 Uhr trudeln dann immer mehr Taucherinnen und Taucher ein. Einige kenne ich bereits, andere noch nicht. Ich bin erst seit 3 Monaten dabei und stieß zum TUK, weil sie ein hochwertiges Apnoe-Tauchtraining anbieten. Im Juni nahm ich noch ein paar Trainingstermine in der Unihalle wahr. Nun aber wartet da draußen das offene Meer, ein Wrack, 17 Meter bis zum Grund und ein aufgeregter Alf (das bin ich) auf den ersten Tauchgang.
Kurzes Briefing durch Rolf. Die Crews werden eingeteilt. Ich werde mit Andreas, Rolf und Mailin die erste Fahrt zum Mittelgrundwrack erleben dürfen. Mit allen dreien war ich schon vor Falckenstein tauchen, kenne sie also. Wir tüdeln uns an – die erweiterte ABC-Ausrüstung ist ja schnell angelegt. Nun noch flott die weitere Ausrüstung ins Boot gebracht und los geht’s.
Per GPS gleiten wir bei schon ganz passablen Wellen dem Ziel entgegen. Dicht am Wrack Anker raus und ab ins Wasser. Die beiden Bojen für uns Vier werden ebenfalls in ihr Element übergeben und die Führungsseile abgerollt. Ich befestige meinen extra noch gebauten Schwimmschnorchel mit einer Leine an einer der Bojen und folge Andreas Instruktionen. Er hat ein Blinklicht am Grundgewicht befestigt. Nun heißt es: entspannen. Um es vorweg zu sagen – es gelingt mir nicht wirklich. Ich bin innerlich aufgeregt, paddel gegen die Wellen an um nicht abzutreiben und überhaupt…
Nun aber. Tief Luft geholt und abwärts. Beim ersten Tauchgang sehe ich das Blinklicht ab rund 10 Meter und drehe wieder um. Beim zweiten Mal dann geht es bis zum Grund - 17 Meter! Gar nicht schlecht, für den Anfang, denke ich. Ein ruhiger, entspannter Aufstieg allerdings sieht anders aus. Andreas sagte mir vor ein paar Wochen: „Versuche, den Aufstieg zu genießen“. Mmmmh. Ich sag es mal so: ICH WOLLTE NUR NOCH ATMEN. In dieser Stunde geht es für mich 4 Mal ganz runter. Leider sehe ich nur ein einziges Mal das Wrack vor mir (wir waren am Heck). Aber dieser Moment wird mir in Erinnerung bleiben. Es ist spannend und ein wenig unheimlich aus eigener Kraft da runter zu tauchen und dann in diesem einzigartigen grünen Licht, Druck und Kälte ausgesetzt, ein versunkenes Schiff zu sehen. Als wir wieder an Bord steigen stellen wir fest, weshalb wir das Wrack später nicht mehr sehen konnten. Wir waren rund 100 Meter abgetrieben worden.
Alles ist wieder verstaut. Bleigurt ab, Jacke über und nix wie zurück – die nächsten Freitaucher warten schon. Springend geht es über die Wellen in Richtung Tauchbasis. Der Wind hat zugenommen, aber die nächste Crew besteht aus erfahrenen Tauchern. Wieder zurück packe ich meine Sachen zusammen und setze mich noch für ein Stündchen zu den Anderen. Ich bin ein wenig enttäuscht, habe mir das Tauchen zum Wrack leichter und entspannter vorgestellt. Aber das ist bei mir eben so: wenn der Ehrgeiz mich packt, will ich alles gleich richtig gut können. Und das geht überhaupt nicht beim Apnoetauchen. Dort kann ich nichts erzwingen. Und als mir das klar wird, erkenne ich, dass es genau das Richtige für mich ist. Ich werde hier viel mehr über mich lernen, als bloß die Luft anzuhalten.
So geht es mit einem stillen Lächeln im Gesicht zurück zum Auto. Das war ein guter Tag.


