STAGSi oder kompetente Ausbildung rettet Leben - das Seminar Tauchsicherheit und Rettung des TLV S-H 2011
Geschrieben von: Daniel
Für den zufälligen Strandspaziergänger muss es ein merkwürdiger Anblick sein: Gut zwanzig Froschmänner und Froschfrauen an einem sonnigen Samstagnachmittag im Oktober massieren minutenlang den Sandstrand oder schleppen unter laut anfeuernden Rufen mit allerletzter Kraft leblose Körper aus der eiskalten Förde ans Ufer. Was geht hier vor? Training für „Spiele ohne Grenzen“? Ein neuer Extremsport?
Was für den Zuschauer nach reinem Spaß aussieht (der heiße Kakao dampft ja schon im Kessel), ist für die Teilnehmer des Seminar „Tauchsicherheit und Rettung“ bitterer Ernst. Hier werden die physischen Fertigkeiten und Techniken für lebensrettende Maßnahmen im hoffentlich nie auftretenden Ernstfall eines Tauchunfalls geübt.
Abschleppen des Tauchpartners im Wasser, ins Boot ziehen oder an Land, Atmung kontrollieren, Atemwege freimachen, mit der Einhelfermethode die Wiederbelebung einleiten. Allen Teilnehmern wird klar: das ist kein Spaß, das geht an die körperlichen Grenzen, jede Sekunde zählt, jeder Griff muss sitzen.

Die Zeit bis zum Einleiten der Wiederbelebungsmaßnahmen ist ein entscheidender Faktor, binnen Minuten sinken die Überlebenschancen des Verunfallten auf Null. Keine wirklich neue Erkenntnis, aber eine, die man sich vor Augen führen muss. Das TSR-Seminar unter der kompetenten Leitung von Dirk Sellmer setzte deshalb mehrere Schwerpunkte, um die Sicherheit der Teilnehmer beim Tauchen zu erhöhen: Optimale Vorbereitung, um einen möglichst sicheren Tauchgang durchzuführen, richtiges Handeln im Ernstfall und - last but not least - praktische Übungen.
Oliver Callies rief in seinem Vortrag in Erinnerung, wie wichtig ein vollständiges Briefing für einen sicheren Tauchgang ist. Bei Routine-Tauchgängen oft vernachlässigt, können mangelhafte Briefings der erste Dominostein in der Kette der Unfallursachen sein.
„Jedes Problem, das unter Wasser auftritt, wird auch unter Wasser gelöst“, so das Credo von Martin Steiner, der die korrekten Ausrüstungs-Konfigurationen von der Boje bis zum Atemregler erläuterte. Denn zu einer guten Vorbereitung gehört natürlich auch eine funktionierende und passende Ausrüstung.
Was auf einen Notfallplan gehört, wie eine effektive Rettungskette ablaufen muss und was zur Ersten Hilfe gehört fasste wiederum Oliver Callies in seiner Präsentation zusammen: „Phone first and phone fast!“ und „Nichts tun ist tödlich“ brachten es auf den Punkt.
Johannes Meyne schließlich vermittelte hochkompetent tauchmedizinische Grundlagen von den Unfallarten und Erkrankungen über die Diagnose bis zu den korrekten Maßnahmen und Versorgungen. Abschließend verwies der stellvertretende Abteilungsleiter „Tauchmedizin“ des TLV S-H auf die Leitlinie „Tauchunfall“ des GTÜM (zu finden unter www.gtuem.org).
Wie man aus Fehler lernen kann demonstrierte Michael Birkenbeul in seiner Analyse von drei unterschiedlichen Unfallszenarien. Die Beispiele orientierten sich frei an konkreten Fällen, was dem Vortrag eine besondere Intensität verlieh und zu reger Diskussion führte.
Den stattlichen Theorieanteil des Seminars lockerte Seminarleiter Dirk Sellmer geschickt durch drei Praxisblöcke auf: Retten des Verunfallten aus dem Wasser an Land und ins Boot mit anschließender Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie manuelle Wiederbelebung inklusive Nutzung eines externen automatisierten Defibrillators (AED) und Sauerstoffversorgung am ersten Tag und DTG-Übungen zur Rettung eines bewusstlosen Tauchers während des Tauchgangs und anschließendes Abschleppen am zweiten Tag.
Allein diese kurzgefasste Aufzählung macht deutlich, was den gut zwanzig Teilnehmern in den zwei Tagen des TSR-Seminars geboten wurde: Eine umfassende und intensive Ausbildung, die jedem Einzelnen und seinem zukünftigen Tauchpartner ein echtes Mehr an Sicherheit im Tauchsport bringt. Das gute Gefühl, kompetent auf eine Unfallsituation vorbereitet worden zu sein, spiegelte sich auch im durchweg positiven Feedback der Teilnehmer wieder. Der ein oder andere dürfte sich auch vorgenommen haben, das Seminar wieder zu buchen. Der Autor gehört auf jeden Fall dazu.
Ach, ja: „STAGSi“ ist ein wirklich gute Gedächtnisbrücke für das Briefing. Es steht für Sicherheit, Tauchgangsplanung, Ausrüstung, Gruppeneinteilung und Signale.
Daniel Krönke
November 2011


